Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich den Studiengang »Intermediales Design« studiert habe, schauen sie mich meistens verdutzt an. Ich umschreibe das neumodische Wort dann gerne mit den etwas bekannteren Begriffen »Interface Design« und »Interaction Design«. Meistens verstehen die Leute mich dann. Doch was meint Intermediales Design denn nun eigentlich?

Was ist Intermediales Design?

Mein Professor Wolfgang Henseler umschrieb den Begriff ganz gerne immer mit dem Satz:

»Intermediales Design ist, wenn die analoge und digitale Welt miteinander verschmelzen«.

Konkret heißt der Teilbegriff »inter« so viel wie »zwischen zwei oder mehreren«, beschäftigt sich also mit der Disziplin, die physische und digitale Welt miteinander zu verknüpfen. Das Intermediale Design möchte den Mehrwert beider Welten verbinden und so ein nahtloses Erlebnis für den Anwender schaffen. Ein Musterbeispiel für diese Verschmelzung ist das Internet of Things. Physische Objekte in der realen Welt, die in Kombination mit digitalem UI genutzt werden und eine Handlung auslösen. In den letzten Monaten bemerken wir verstärkt, dass solche Dinge in unserem Alltag immer präsenter werden. Warum auch nicht? Denn durch den Intermedialen Ansatz verkürzen wir den Weg zum Handlungsvollzug, ganz konkret: wir können unsere Bedürfnisse schneller, besser und mit mehr Freude erledigen.

Der Intermediale Ansatz

Beispiele dafür gibt es en masse. Manche davon sind bedingt durch den technologischen Fortschritt besser möglich, manche weniger. Aber wie wäre es, wenn mein Turnschuh erkennt, wann die Sohle nicht mehr zum Laufen geeignet ist; wie wäre es, wenn mein Waschmittel weiß, dass es bald nachgefüllt und neues bestellt werden muss; wie wäre es, wenn die Kaffeemaschine mein Trinkverhalten analysiert (Espresso, Latte Macchiato, Americano etc.) und mir beim nächsten Kauf noch geeignetere Bohnen zum Kauf anbietet. Der neuen Welt sind keine Grenzen gesetzt. Und natürlich kann der Handel hierdurch auch viele neue Geschäftsmodelle an sich reißen. Er muss nur begreifen, dass es nicht den Onlinehandel und den stationären Handel gibt. Der Handel findet heutzutage analog und digital & digital und analog statt. Aber das soll nicht Thema des heutigen Artikels sein.

Aus den genannten Gründen ist es daher von großer Relevanz für die alten und neuen Märkte dieser Welt den Intermedialen Ansatz zu begreifen und richtig anzuwenden. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Technologie uns stetig näher kommt. Smartphone, Smartwatch, Tablet & Co. sind keine netten Gadgets, welche wir ab und an mal benutzen. Mittlerweile sind sie fester Bestandteil unseres Alltags geworden und eher als Lifestyle-Produkte beziehungsweise als digitale Erweiterung unserer selbst zu verstehen. Und das bemerken wir selbstverständlich von Stunde zu Stunde und Tag um Tag, mit jeder neuen App und jeder neuen iOS- bzw. Android-OS-Version, welche auf den Markt kommt. Alles letztendlich mit dem Ziel unseren Alltag noch schneller und besser zu organizen. Genug des kleinen Exkurses, kehren wir wieder zum eigentlichen Thema zurück. Die Frage, die wir uns nach diesen Erkenntnissen nun stellen müssen, ist, wie wir den Intermedialen Ansatz auch in unsere Produktwelt integrieren können?

Der Intermediale Ansatz als Teil einer Produkt-Service-Strategie

In erster Linie gilt es, die bestehenden Abläufe unserer Produkte, Dienste oder Software zu analysieren und zu begreifen, wo man konkret andocken und Optimierungen vornehmen kann. Meistens sind hier erste Zusammenkünfte des Teams im Workshop-Format gut geeignet. Der Business Case muss zunächst genauestens begutachtet werden, um dann die Ergänzung bzw. Optimierung an richtiger Stelle einzupflanzen. Im zweiten Schritt ist es unerlässlich, die Implementierung des Intermedialen Ansatzes in verschiedene Phasen zu unterteilen. Diese können teilweise, je nach Business Case, auch noch einige Jahre in der Zukunft liegen. Im Rahmen einer digitalen Strategie kann hierfür ein Fahrplan entwickelt werden, wie man den Nutzer schrittweise an die neue Welt gewöhnt und welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt umgesetzt werden.

Konventioneller vs. Intermedialer Ansatz

Selbstverständlich können wir auch bei unserer konventionellen Strategie bleiben. Das geht sicherlich auch noch eine Weile gut. Und sicherlich wird es ebenfalls noch immer die Befürworter des Analogen geben. Aber irgendwann – meistens zu spät – bemerkt man dann, dass man sein Business anpassen muss. In dieser Phase sind meistens schon erste Wettbewerber entstanden, die einen vom Markt verdrängen können. Deshalb ist es wichtig, sich bereits frühzeitig mit Intermedialen Strategien zu beschäftigen und sich dafür zu sensibilisieren, wie sich die eigene Branche Schritt um Schritt wandelt. Nur so ist man frühzeitig auf neue Gegebenheiten vorbereitet.

In Deutschland gibt es noch jede Menge Potential, die digitale und analoge Welt stärker miteinander zu verbinden. Schulen könnten den analogen Unterricht in Zeiten von Home-Schooling vermehrt digital abhalten und die Schüler nicht nur mit Lesematerial ruhigstellen, ebenso könnte die Leistungsbeurteilung in Verbindung mit der Durchführung von Klassenarbeiten über Begleit-Software am Schreibtisch des Schülers kontrolliert werden. Ämter könnten Online-Meetings mit Online-Beratungs-Software abhalten und ihre Dienste in Echtzeit und ohne analoge Ausdrucke erledigen. Vielleicht ist die Corona-Pandemie gerade dafür auch ein Treiber der Veränderung.